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Menschen zweiter Klasse: Zur Figur des Republikflüchtlings im DEFA-Spielfilm
Vortrag mit Filmbeispielen auf der Tagung "Kultur des kalten Krieges", 31.5.-1.6.2012, Universität Zürich, Deutsches Seminar
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In den Jahren 1958-61 versuchte die DDR-Führung vergeblich, den jährlich rund 200.000 Personen zählenden Flüchtlingsstrom in die Bundesrepublik und nach Westberlin einzudämmen. Teil der Maßnahmen war die Diskreditierung der Ausreisenden in Presse, Funk und Film. Nach dem 13. August 1961 hielt die mediale Präsenz des Republikflüchtlings noch eine Weile an, nun funktionierte er als Begründungshilfe für den „Mauerbau“.
In diesen Kontexten wundert es nicht, dass DEFA-Spielfilme aus dieser Zeit sich vermehrt des Themas annehmen und einen immer negativ besetzten Stereotyp des Republikflüchtlings entwerfen, um ihm in einem harten Kontrast Figuren eines angeblich neuen Menschenbildes entgegenzusetzen. Im Unterschied zur verbreiteten Praxis scheitern in Filmen wie „SAS 181“ und „Zu jeder Stunde“ die Fluchtpläne. Sie münden in ein Happy end, das den Regeln des „kalten Krieges“ folgt.
Im ersten Schritt widmet sich der Vortrag der typisierten und stilisierten Filmfigur des DDR-Flüchtlings vor 1961 mit ihren recht normierten Narrationen. Diese Menschen werden oft als kriminelle, labile und dem Alkohol zusprechende Personen gezeichnet, die privatem Gewinnstreben und damit der alten „Klassengesellschaft“ nachhängen.
Ein zweiter Aspekt untersucht Veränderungen der Figur des Republikflüchtlings nach dem „Mauerbau“. Bevor sie ganz aus den DDR-Medien verschwindet, erhält sie in Filmen wie „Sonntagsfahrer“ (1962) und „Der geteilte Himmel“ (1964) ein stärkeres Gewicht und eine individuelle Differenzierung. Das intensivere Ausagieren von Konflikten um die Ausreise in die Bundesrepublik vollzieht sich dabei allerdings stets als Rückblick und vor dem Hintergrund des nicht mehr Möglichen. Insofern funktionieren die Figuren auch zur Legitimation einer Geschichtskonstruktion und einer Geschichtspolitik, was sich insbesondere am Mauerbau-Erinnerungsfilm „Geschichten jener Nacht“ (1967) zeigt.

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