Schmalfilme mit Geschichten

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Mit der Hände Arbeit - Brandenburgs Handwerk und Industrie im Film

Das Land Brandenburg besitzt ein reiches Erbe an traditionellem Handwerk und industrieller Fertigungstechniken, deren Standorte einerseits auf hier vorhandenen Rohstoffen und Ressourcen – wie Holz, Kalkstein, Tonerde und Wasser – beruhen und andererseits auf die Lage von wichtigen Abnehmern und Kundenhäufungen – hier vor allem die Stadt Berlin – zurückgehen. Ofenkacheln aus Velten, Tuche aus Forst, Denkmalskulpturen aus Lauchhammer, Glas aus Baruth und nicht zuletzt Filme aus Potsdam-Babelsberg waren und sind Begriffe für wirtschaftlichen Erfolg und Qualitätsarbeit, die heute zumeist in Spezialmuseen an den ehemaligen Produktionsstandorten wach gehalten werden. Die einzige Möglichkeit, die Produktionsprozesse und das soziale Miteinander im Werk nachzuerleben, bieten Filmaufnahmen. Die eingeführten Kurzfilmprogramme finden zwischen Juni und November 2016 an sieben Museen im Land Brandenburg statt, legen einen Schwerpunkt auf das Handwerk der Regionen und werden dem Publikum historisch bedeutsame Standorte und Verfahren nahe bringen.
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Vorführtermine:
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Stadtmuseum Wittenberge, Do., 8. September 2016, 18-19 Uhr
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Nähmaschinen-Filme: Freunde des Alltages bewerben, das Werk ins Licht setzen
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Filme über Nähmaschinen aus Wittenberge haben zwei Ziele: Sie werben für einen Haushaltshelfer, wollen über ihn informieren. Das Erzeugnis rückt ins Zentrum, wird 1959 in "Ein Freund deines Alltages" zum flott von Musik umkränzten Star. Den oft unterhaltsamen Beiträgen stehen Filme gegenüber, die Fertigungsprozesse begleiten, Veränderungen im Werk aufzeichnen. Hier sind nicht Veritas-Maschinen die Hauptdarsteller, sondern die Angestellten. Ihnen geht es angeblich immer besser, die Produktion wird trotzdem gesteigert, bis 1991 der Infarkt droht, der Betrieb schließen muss.
Chronist des Werksalltags ist in den 1960er und 1970er Jahren eine Amateurfilmgruppe um Albert Kripke. Sie dokumentiert Rationalisierungen, widmet sich dem Arbeitsschutz – etwa im Porträtfilm "Unser Bobby". So problemorientiert die Zugänge auch sein mögen, stets erfolgt die Auflösung nach dem optimistischen Motto, das zum programmatischen Filmtitel wird: "Und es geht doch".
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Mit: Der Augenzeuge 1951/05: Textima-Arbeiter erhöhen ihre Leistung, 1951 – Ein Freund deines Alltages, 1959 – Und es geht doch, 1968 – Unser Bobby, 1972 – Vom Scheitel bis zur Sohle, 19.3.1987: Famula – Landauf Landab: Nähmaschinenwerk Wittenberge, 20.10.1991
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Do., 8. September 2016, 19 Uhr
Stadtmuseum Alte Burg Wittenberge, Putlitzstraße 2, 19322 Wittenberge
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Kunstgussmuseum Lauchhammer, Fr., 23. September 2016, 18 Uhr
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Ofen- und Keramikmuseum Velten, So., 9. Oktober 2016, 15-17 Uhr
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Industriemuseum Brandenburg, Sa., 5. November 2016, 15 Uhr
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Brandenburgisches Textilmuseum Forst, Sa., 12. November 2016, 16 Uhr

Ein Palast wird gebaut: Der Palast der Republik in Film und Fernsehen 1973-79

kuratiert und eingeführt von Ralf Forster

Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum Berlin, Do., 15. September 2016, 20 Uhr
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Schloss-Ruine, Aufmarschplatz, dann eine Baugrube aus märkischem Sand. 1973 besetzte die DDR den Ort neu. Ein „Haus des Volkes“ wurde errichtet: der Palast der Republik. Es entstand ein funktionierender Mikrokosmos der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Film und Fernsehen berichteten viel und überschwänglich. Die Balance zwischen politischem „Protokollfilm“ und „Volksnähe“ war dabei zu wahren. Denn das moderne Gebäude sollte Vorzeigeobjekt des SED-Systems sein und die Bevölkerung ansprechen. Nicht nur der Große Saal lud zu Superlativen ein: So heißt es in der Reportage „Palast der Republik am Morgen zwischen 6.00 und 10.00“: 120.700 Besteckteile wären vorhanden und ein Arbeiter hätte 150.000 Schweißungen über Kopf ausgeführt.

Der Palast fand in unterschiedlichen Film-Formaten Beachtung, in Wochenschaubeiträgen, Beiprogramm- und Industriefilmen, TV-Sendungen und im Schlafbringer für Kinder „Unser Sandmännchen“. Stets sind die Bilder vom Positiven überzeichnet, sei es nun beim Lob für den Industriebetrieb IMO Leipzig in „Montage der Stahlkonstruktion Palast der Republik, November 1974“ oder beim Versuch des DEFA-Augenzeugen, den Bau als Erfüllung einer historischen Mission darzustellen: vom Schlossplatz zum Marx-Engels-Platz. Einzig unveröffentlichtes Schnittmaterial von der Grundsteinlegung kommt dem Alltag näher, das Heroische wird abgestreift.

Eine Veranstaltung des Museum des Ortes der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Kooperation mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums

Wie der Film unsterblich wurde. Vorakademische Filmwissenschaft in Deutschland

Ein neues Buch herausgegeben von Rolf Aurich und Ralf Forster; in der Reihe Audiovisuelles Kulturerbe, Band 1, hg. von Chris Wahl,
München: edition text + kritik 2015
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Filme und filmhistorische Materialien können Teil eines Archivs oder einer Sammlung werden. So erlangen sie Bedeutung für Forschung und Lehre, für einen historischen Diskurs oder für die Erinnerungskultur. Als sich der Film allmählich etablierte, war seine Existenz jedoch rasch vergänglich. Es fehlten all jene Personen und Institutionen, die mittlerweile dazu beitragen, dass Materialien bewahrt und Inhalte reflektiert werden: Filmarchive, Institute und Museen, Ausstellungen, Studiengänge, Autoren und Verlage, filmgeschichtliche Websites ohnehin. Die Grundlagen, um die Gedächtnisfunktion des Films praktisch umzusetzen, mussten mühsam geschaffen werden. Doch wer waren die Akteure auf diesem langen Weg gegen das Vergessen, wann traten sie mit welchen Ideen, Erfolgen und Niederlagen in Deutschland auf?
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Die etwa 40 Beiträge dieser Textsammlung gehen erstmals dieser Frage nach und fächern den besonderen Facettenreichtum jener Annäherungen an die Geschichte des Mediums auf: Netzwerke werden erkennbar, die sich aus der Filmbranche selbst heraus entwickelten. Produzenten, Sammler, technische Pioniere und Journalisten machten gemeinsame Sache, erinnerten und riefen zum Bewahren auf. Guido Seeber auf der KIPHO 1925, Karl Wolffsohn in der Licht-Bild-Bühne. Frühe Filmwissenschaftler wie Heinz Baumert und Walter Hagemann arbeiteten zunächst in etablierten Fächern. Publizisten wie Gunter Groll legten methodische Grundlagen zur Filmerforschung. Die Institutionalisierung von filmhistorischer Aktivität lief in den 1930er-Jahren parallel zur Festigung der nationalsozialistischen Diktatur, etwa im Reichsfilmarchiv und in der Ufa-Lehrschau unter Hans Traub. Die Folgen waren ambivalent und strahlten sowohl auf die Bundesrepublik (Filmarchiv der Persönlichkeiten) als auch auf die DDR (Staatliches Filmarchiv) ab. Sie sind in ihrer Bedeutung für die Filmgeschichtsschreibung nach 1945 bis heute nur in Ansätzen analysiert worden.
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Die Edition ist Ende Mai 2015 erschienen und über den Verlag und den Buchhandel bestellbar.

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