Schmalfilme mit Geschichten

Reisen in die Familiengeschichte des Kinos | +49 (030) 522 830 39

Home

Aktuelle Veranstaltungen

Laufsteg Ost – Modefilm in der DDR. Zwei Modefilmprogramme auf dem 26. Filmfest Dresden, 15. – 20.4.2014, kuratiert von Ralf Forster und Volker Petzold

„Mode“ ist die stillschweigende Übereinkunft von dem, was Menschen auf dem Leibe tragen. Ob elegant, robust, schrill oder gediegen, die Mode einer Zeit oder eines Landes enthält beachtliche Zeugnisse der jeweiligen Kultur. Nicht zuletzt ist die „Bekleidungskultur“ individuell, wird vom Einzelnen gekauft und getragen. Mode bewegt sich im Kraftfeld von Individualität und Gemeinschaft, von Wirtschaftskraft und Konsum. Blicke auf die Mode in der DDR erscheinen besonders lohnend, handelte es sich doch um ein Land, das vom Kollektivgeist geprägt war und in dem dennoch das private Wohlergehen zum wichtigen Versprechen und systemerhaltenden Faktor wurde.
.
Auch in der DDR war Mode eingebunden in einen gesellschaftlichen Diskurs. In Filmen über die Mode traten Aufgaben, Funktionen und Erwartungen an Kleidung besonders markant hervor. Denn der mediale Aufwand diente festen Zielen: Zeigen, Informieren, Empfehlen, Werben, Hinterfragen, Kritisieren, seltener plattes Agitieren. Modefilm gab es in Kino und Fernsehen, als Filmbericht im DEFA-„Augenzeugen“ und in der „Aktuellen Kamera“, im Dokumentarfilm, in Magazin-, Ratgeber- und Reportage-Formaten sowie als Werbespot, aber auch für interne Zwecke als Orientierungs- und Bestellhelfer für Produktion und Handel. Er existierte als Produkt spezialisierter Dienstleister wie dem DEWAG-Werbefilmstudio, dem Filmstudio beim Modeinstitut oder privater Produzenten.
.
Die künstlerischen Ausprägungen der zumeist hochprofessionellen Werke verlagern sich sehr rasch von reinen Laufstegpräsentationen zu filmisch eigenständischen Gestaltungen. Die Kamera verlässt nicht minder schnell die zuweilen kurios anmutenden Studiodekorationen, um in den Alltag und reale Umgebungen versetzt zu werden, häufig angereichert mit arrangierten kleinen Spielszenen. Auch vor ungewöhnlichem, ästhetisch disparatem, ja „schrägem“ Ambiente macht die Optik nicht halt.
.
Die ideologische Überformung des DDR-Modefilms bleibt wesentlich auf die 1950er Jahre beschränkt. Den westlichen exklusiven und stets profitorientierten Modellen sollten eigene robuste und zugleich kleidsame Entwürfe entgegengestellt werden – unter Nutzung von DDR-Kunstfasern (Dederon) und Geweben (spezitex, Malimo). Überwiegend wurde jedoch Mode im unpolitischen unterhaltenden Gewand präsentiert, DDR-Mode gar als international konkurrenzfähig und innerhalb globaler Strömungen verortet. Neben dem staatlichen Modeinstitut wurden renommierte private Modehäuser wie Heinz Bormann Magdeburg oder Lucie Kaiser Altenburg in Film und Fernsehen geradezu hofiert.
.
Zur bedeutendsten Zielgruppe und zum Richtmesser einer immer wieder als modern behaupteten Mode entwickelte sich die Jugend. Seit 1968 bekräftigte das Label „Jugendmode“ diesen herausgehobenen Status. Optimistisch griffen Filme Neuerungen junger Mode auf, Jeansmode und Pop-Kultur wurden dabei ab den 1970er Jahren zum elementaren Bestandteil entsprechender Filme. Politische Vorbehalte gegenüber „Bluejeans“ traten zurück.
.
Sicher zeichnen die Modefilme ein überwiegend positives, manchmal grellbuntes Bild der Branche und des Alltags, sparten allerdings zuweilen nicht mit Kritik an mangelnden Angeboten. Denn hinter den meist leuchtenden Fassaden werden die ökonomischen Probleme und Widersprüche sichtbar, trotz hoher Ansprüche meist nicht bedarfsdeckend arbeiten zu können und immer ein wenig hinter den Bedürfnissen der Kundschaft (und den „westlichen“ Trends) hinterherzuhinken. Als Lösungsmöglichkeit dieses Konflikts in der sozialistischen Konsumkultur wird zur Selbsthilfe geraten: Die Jugendlichen sollten in Ausbildung, Produktion und Handel selbst die Kollektionen bereichern helfen.

Laufsteg Ost – Modefilm in der DDR 1: Robust und elegant. Modetrends aus 40 Jahren

Mittwoch, 16. April 2014, 22 Uhr, Dresden, Schauburg, Tarkowski-Saal
.
Freitag, 18. April 2014, 19.30 Uhr, Dresden, Schauburg, Tarkowski-Saal
.
Samstag, 19. April 2014, 19 Uhr, Dresden, Programmkino Ost
.
Augenzeugen-Sujets, Fernsehberichte, Werbespots sowie interne Informations- und Dokumentarfilme zeigen DDR-Mode im Wandel der Zeiten. Sie bebildern eine Modeentwicklung, die weniger von ideologischen Vorgaben als von internationalen Tendenzen und dem Bedürfnis nach individueller moderner Gestaltung bestimmt ist.

Laufsteg Ost – Modefilm in der DDR 2: Jugendmode – Andere Mode

Donnerstag, 17. April 2014, 19.30 Uhr, Dresden, Schauburg, Tarkowski-Saal
.
Freitag, 18. April 2014, 22 Uhr, Dresden, Schauburg, Tarkowski-Saal
.
Sonntag, 20. April 2014, 17 Uhr, Dresden, Schauburg, Lang-Saal
.
Seit 1968 wurde in der DDR unter dem Label „Jugendmode“ versucht, moderne altersgerechte Kleidung für junge Leute anzubieten. Filme berichten von den Erfolgen und benennen die Probleme, die in diesem Bereich der „Konsumgüterversorgung“ zutage treten. Festgehaltene kritische Modeäußerungen in den 1980er Jahren illustrieren Auflösungserscheinungen einer starren Gesellschaft.

Suche | Sitemap | Impressum